von Tina Stiegele Tina Stiegele Keine Kommentare

PTAM Absolute Return: „90 Prozent Plus in zehn Jahren“

Eine halbe Milliarde Euro Assets under Management, 90 Prozent Wertzuwachs in den vergangenen zehn Jahren, die alles andere als einfach waren. Dr. Walter Naggl, Manager des PTAM Absolute Return, hat einen erstklassigen Track Record. Im Interview erläutert er seine Strategie.


Herr Dr. Naggl, worin unterscheidet sich ein Absolute Return-Fonds wie der PTAM Absolute Return von einem statischen oder auch von einem flexiblen Mischfonds?
Die zentralen Anliegen des PTAM Absolute Return sind die Vermeidung von Risiken und folgerichtig der Kapitalerhalt. Seit dem Jahr 2002 steuere ich die von mir gemanagten Fonds mit rund 500 Millionen Euro Assets nach diesen Grundsätzen. Trotz des teilweise sehr turbulenten Marktumfelds haben wir in keinem Jahr rote Zahlen geschrieben. Ich will also in jeder Marktphase einen Wertzuwachs erreichen – selbst in Baisse- und auch in etwas milderen Abschwungphasen.

Vermögenserhalt oder Vermögenszuwachs – auf was legen Investoren momentan mehr Wert?
Vermögenserhalt steht eindeutig im Fokus, was angesichts der Erfahrungen nach dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrhundertwende verständlich ist. Ideal wäre es, gleichwohl nicht entscheidend, wenn quasi nebenher noch eine angemessene Rendite, am besten ein realer Vermögenszuwachs, erzielt würde. Grundsätzlich sind Investoren in den vergangenen Jahren spürbar bescheidener geworden. Die Preise so genannter Finanzaktiva sind ja vergleichsweise hoch, weil sowohl Anleihe- als auch Aktienkurse in den vergangenen drei Jahren deutlich zugelegt haben. In der Folge sind somit die Ertragswartungen gefallen.

Gibt es hier Unterschiede zwischen institutionellen Investoren und Privatanlegern?
Ja, das liegt in der Natur der Sache. Institutionelle Anleger wie Lebensversicherer müssen – ob sie nun wollen oder nicht  – investieren und dabei eine Mindestrendite erzielen. Sie stehen somit unter einem hohen Performancedruck. Zudem werden ihre Investments durch staatliche Regulierungen in eine bestimmte Richtung gelenkt. So müssen Versicherer etwa für den Kauf europäischer Staatsanleihen kein Risikokapital vorhalten. Wollen sie jedoch bspw. Immobilien in München erwerben, ist dies erforderlich.

Insgesamt verwalten Sie rund 500 Millionen Euro für institutionelle und private Investoren. Mit welchem Ergebnis?
In den vergangenen zehn Jahren habe ich bei den Fonds nach dem „Absolute Return-Ansatz“ einen Wertzuwachs von 90 Prozent erreicht. Dies bei einem maximalen Rückschlag innerhalb eines Jahres von sechs Prozent vom erreichten Höchstwert. Es gab dabei kein Jahr mit einem negativen Ergebnis, auch 2008 wurde positiv abgeschlossen. Seit einiger Zeit setze ich verstärkt Timing-Modelle ein. Sie sind ein bewährtes Instrument, um in volatilen Märkten gute Ergebnisse zu erzielen. So kann ich zwischenzeitlich starke Börenphasen nutzen und zugleich Risiken vermeiden.

Mit welcher Strategie haben Sie besagte Zehn-Jahres-Performance erreicht?
Mit Investitionen ausschließlich in hoch liquide europäische und nordamerikanische Aktien sowie europäische Staatsanleihen. Grundsätzlich sichere ich meine Aktienengagements mit 70 bis 130 Prozent des Aktienanteils im Portfolio ab – abhängig von meiner Markteinschätzung bzw. dem Timing-Signal. Ereignisse wie der 11. September, das Jahr 2008, als Lehman Brothers Pleite ging, oder auch der August 2011 können dem Portfolio somit nichts anhaben.

Haben Sie Ihre strategische Ausrichtung – im Vergleich zu den Vorjahren – geändert?
Wie bereits gesagt – seit einiger Zeit setze ich verstärkt auf Timing-Signale. Ansonsten bleibe ich bei meiner bewährten Linie. Im Wesentlichen verfolge ich einen Research-getriebenen Ansatz mit schneller Umsetzung.

Welche Herausforderungen sehen Sie derzeit an den weltweiten Kapitalmärkten?
Da ist insbesondere die Anhäufung von staatlichen und privaten Schulden in den vergangenen 30 Jahren auf ein nie gekanntes Niveau. Gekoppelt mit dem sich abzeichnenden globalen Abschwung und – nicht zu vergessen – den ungelösten Problemen in der Eurozone. Nicht unbedingt hilfreich war auch die gigantische Fehlallokation von Kapital in Ländern wie China und Spanien, wodurch die Immobilienpreise gleichsam durch die Decke geschossen sind. Letztlich werden dadurch erneute Konjunkturprogramme, um die Wirtschaft mit Impulsen zu versehen, verhindert, weil diese nicht mehr finanzierbar sind. Dies alles vor dem Hintergrund einer Niedrigzinspolitik, die wir bislang noch nicht gesehen haben und die noch Jahre dauern wird. Diese „Financial Repression“ hat schmerzliche Folgen für den typischen Investor, der mit seinem Vermögen real – also nach Abzug von Steuern und Inflation – rote Zahlen erwirtschaften wird.

Welche Rückschlüsse ziehen Sie daraus im Hinblick auf Ihre taktische und auch strategische Ausrichtung beim PTAM Absolute Return?
Beide, der strategische Ansatz und der taktische Ansatz haben sich bestens bewährt. Deshalb werde ich diese beibehalten. Mit einer stärkeren Fokussierung – wie eben bereits erwähnt – auf Timing-Aspekte.

Wie schaut Ihre momentane Asset Allokation aus?
Mein Schwerpunkt ist die Investition in rund 30 hoch liquide, werthaltige europäische und nordamerikanische Aktien. Sie weisen typischerweise ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis auf. Die Unternehmen haben einen vergleichsweise niedrigen Schuldenstand und sind wachstumsstark. Dazu zählen beispielsweise der US-Generikahersteller Mylan, die Schweizer Rück und der britische Dienstleister Babcock. Vereinzelt nutze ich auch Sondersituationen wie bei Porsche SE. Dem Unternehmen gehört bekanntlich die Hälfte von VW und die Hälfte der Porsche AG. Die Aktie notiert weit unter ihrem fairen Wert. Ein weiterer Favorit ist der weltweit größte Schürfer Barrick Gold. Auf der Rentenseite liegt mein Fokus auf deutschen und finnischen Staatsanleihen. Da deren Kurse allerdings sehr hoch sind, die Renditen entsprechend niedrig, habe ich diese Positionen mittlerweile abgesichert.

Noch ein Blick in die Glaskugel. Wie werden die weltweiten Kapitalmärkte in fünf Jahren ausschauen? Wird Griechenland dann noch den Euro haben? Und was ist mit den anderen Ländern an der Euro-Peripherie?
Staaten wie die USA und Japan, vor allem aber eine ganze Reihe europäischer Länder, werden bei geringem Wirtschaftswachstums von ihren hohen Defiziten herunterkommen müssen – ob sie nun wollen oder nicht. Das ist ein sehr schmerzhaftes und politisch sicher höchst umstrittenes Unterfangen. Denn die Folgen sind höhere Steuern und, wie eben bereits gesagt, „Financial Repression“, die Investoren reale Vermögenseinbußen bringen. Momentan ist nicht erkennbar, was Politiker sich dabei werden einfallen lassen. Ich hoffe sehr, dass Europa dabei nicht den Weg Japans während der vergangenen 20 Jahre geht – mit 16 Konjunkturprogrammen, die nichts weiter gebracht haben als explodierende Staatsschulden.

Dr. Walter Naggl managt für institutionelle und private Investoren derzeit Assets von rund 500 Millionen Euro. Der studierte Volkswirt promovierte im Jahr 1980 zum Thema „Konjunkturmodell auf der Basis von Ifo-Daten“. Im Jahr 1991 folgte die Habilitation zum Thema „Effizienz des Devisenmarktes“. Bis zum Jahr 2000 hielt Dr. Naggl Vorlesungen an der Universität München zu den Themen Ökonometrie, Konjunktur, Zinsen und Wechselkurse. Auf Grundlage seiner Absolute Return-Strategie erreichte der Fondsmanager in den vergangenen zehn Jahren für institutionelle Kunden, insbesondere Versicherer, einen Wertzuwachs von rund 90 Prozent. Nach dem identischen Ansatz wird der Publikumsfonds PTAM Absolute Return gemanagt. Dessen B-Tranche, die am 1. Mai 2012 aufgelegt wurde, erreichte bislang – trotz des sehr problematischen Umfelds an den weltweiten Finanzmärkten – ein Plus von mehr als zwei Prozent. Im Interview erläutert Dr. Walter Naggl seine Erfolgsstrategie, die Feinheiten seines Absolute Return-Ansatzes sowie seine Einschätzung im Hinblick auf die weitere Entwicklung an den weltweiten Finanzmärkten.